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INHALT 2/2012

 

Stock Market Crash: Standing Samoan Drop // Money Money?

@porrporr

Die Diskussion bezüglich Vergütung von „Leistungen“ wird vor allem in den Bereichen Musik, Film oder Literatur geführt. Im Bereich des Medienaktivismus (Blogs, Videokollektive, Twitter/Identi.ca und andere Formen des politischen Aktivismus) werden zu selten Überlegungen angestellt, wie Unterstützungssysteme aussehen könnten. Gerade in Österreich, einem Land mit unglaublich hoher Konzentration im Bereich der Printmedien, sind alternative, unabhängige und kritische Medien-Projekte sehr wichtig. Wie konnten wir bloß vor der Internet-Medienrevolution in Österreich informationstechnisch überleben? Der vor allem durch das Web 2.0 vorangetriebene einfachere Zugang zu Publikationsmöglichkeiten erleichterte es einer Vielzahl an politisch interessierten Menschen, online etwas zur globalen Diskussion beizutragen. Viele dieser neuen Infokanäle sind kaum noch wegzudenken: Blogs, Radio- oder Fernsehsendungen auf offenen Kanälen, Twitter/Identi.ca User_innen, Video-Kollektive, Wikipedia, Diskussionsforen und vieles mehr.

Hinter den einzelnen Projekten steckt oftmals viel Arbeit. Arbeit, die meist erst ins Bewusstsein rückt, wenn die Betreiber_innen und Contenthersteller_innen kurz vor dem Aufgeben sind. Als Begründung für die Einstellung von (Medien-)Projekten wird oft „zu wenig Beteiligung“ angegeben. Was können wir tun, um die von uns geschätzten Kollektive und Einzelpersonen zu unterstützen? Feedback zu geben, Content zu liken, zu faven oder online zu bookmarken sind die ersten und einfachsten Formen der Unterstützung. Eine andere Möglichkeit kann es sein, relevante Infos an die eigenen Netzwerke weiterzuleiten, Informationen zu re-tweeten. Auch eine Form der Wertschätzung ist es, für den Channel thematisch passende Infos oder Veranstaltungen gezielt weiterzuleiten. Weitere Möglichkeiten wären konstruktive Kritik formulieren, den Betreiber_innen zu sagen, warum ihre Arbeit geschätzt wird und wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Oder aber sogar anzubieten, mal selbst etwas beizutragen. Je nach eigenen Möglichkeiten sind all diese Formen der Wertschätzung wichtig.

Die Frage nach finanzieller Unterstützung scheint in einem Feld, das Selbstausbeutung zu einem wichtigen Ideal erhoben hat, schwer thematisierbar. Der Micropayment Dienst flattr jedoch hat dem Thema auch in der Politszene zu Aufmerksamkeit verholfen. Der aus dem schwedischen PirateBay-Kontext stammende Dienst ermöglicht, Spenden mit Fixbeträgen online abzuschicken oder selbst einen Fixbetrag pro Monat festzulegen und diesen gleichmäßig auf alle Seiten, wo der flattr-Button angeklickt wurde, zu verteilen. Teilweise zeigte sich, dass hier vor allem die größeren Info-Hubs überdurchschnittlich viel flattr abbekommen. Kleinere Blogs hingegen bekommen nur gelegentlich einen Klick auf den EUREUREUR-Button.
Webseiten wie Kickstarter oder in Österreich respekt.net ermöglichen es, via Kleinstbeträgen Projekte zu finanzieren. Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob die Verteilungen der öffentlichen Hand (vgl. Presseförderung) nicht auch vermehrt alternative, nicht kommerzielle Medien berücksichtigen sollten. Ein anderes Beispiel wäre hier die VG Wort in Deutschland, die auch für Textbeiträge im Internet Tantiemen an Autor_innen ausbezahlt.

Vielleicht könnte es für den Anfang hilfreich sein, einen Tag im Monat zu bestimmen, an welchem die Unterstützung von (Lieblings-)Medienprojekten angeregt wird (in welcher Form auch immer). Wer will, kann dies ja auch auf verschiedene Wege kommunizieren. Ähnlich dem #ff (1) auf Twitter einmal monatlich seine bevorzugten Infostreams benennen und auch dazu sagen, wer dieses Monat eine Spende oder anderen Support bekommen hat.

Anmerkung
(1) #FF ist die Abkürzung auf Twitter für Follow Friday, freitags empfiehlt mensch Twitterant_innen, damit andere ihnen auch folgen.

*die mit @ beginnenden usernamen beziehen sich auf user_innen auf
Twitter/identi.ca

Bonustracks: storify.com/wrestling_moves

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