Creative Europe. Wir sind angekommen — IG Kultur

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INHALT 04/2011

 

Creative Europe. Wir sind angekommen

Elisabeth Mayerhofer

Creative Europe nennt sich der Vorschlag der Europäischen Kommission für ein neues EU-Kulturprogramm im Zeitraum von 2014-2020. (*) Dieser sieht eine Zusammenführung des bisherigen Kulturprogramms einerseits mit MEDIA, dem bisherigen Förderprogramm für den audiovisuellen Sektor, und andererseits mit einer neuen, noch nicht näher spezifizierten Förderschiene („new financial facility“) vor, die besonders Klein- und Mittelunternehmen aus dem Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft Zugänge zu privaten Geldern, konkret zu Bankdarlehen, ermöglichen soll. Das gesamte Programm wird ca. 1,8 Milliarden Euro umfassen, ein detaillierter Finanzplan steht allerdings noch aus.

Inhaltlich markiert Creative Europe klar den Übergang zu einer wirtschaftlich ausgerichteten Kulturförderung im Rahmen der Sicherung europäischer Wettbewerbsfähigkeit; bereits in der Einleitung wird betont, dass Creative Europe dieselben Ziele wie Europe 2020 verfolge – nämlich „to promote smart, sustainable and inclusive growth“. Weiter im Text wird im Kontext mit dem Europäischen Mehrwert, der ja bekanntlich bei jeder Europäischen Fördermaßnahme im Vordergrund steht, darauf verwiesen, dass darunter Initiativen verstanden werden, die dazu beitragen, „economic growth, job creation und social inclusion“ zu fördern.

Die Tendenz, die bereits in der programmatischen Mitteilung „Über eine europäische Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung“ (2007) deutlich wurde, hat sich verstärkt: Kultur- und Kreativwirtschaft stehen mittlerweile im Zentrum des EUropäischen Kulturverständnisses.

Das künftige Programm ist in drei Hauptstränge unterteilt, die sich jeweils an Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft, den Kulturbereich in der bisherigen Förderpraxis und den audio-visuellen Bereich richten. Die Anzahl der Förderprogramme selbst wird reduziert und vollständig auf Projektbasis umgestellt – die bisherigen Betriebskostenzuschüsse laufen aus. Wie die betroffenen Institutionen, die sich zumeist im Kern dessen bewegen, was unter einem europäischen Gedanken verstanden wird und insofern national auch nur sehr bedingt gefördert werden, damit umgehen werden, ist noch ungewiss. Es birgt jedoch eine gewisse Ironie, dass jene Kulturinstitutionen und Netzwerke, die gerade durch die EU-Förderungen der vergangenen Jahre entstanden sind, nun vermehrt auf nationalstaatliche Hilfestellungen angewiesen sein werden. Auch eine wachsende Produktorientiertheit und eine noch stärkere Outputbetonung werden im neuen Programm deutlich.

Insgesamt kann der Vorschlag als vorläufiger Endpunkt in einer Entwicklung gesehen werden, die seit den späten 1990er Jahren vonstattengeht: die Durchdringung des Kulturbereichs durch das marktorientierte Konzept der Kultur- und Kreativwirtschaft. Trotz einer Unzahl an Aktivitäten, die in diesen Bereich geflossen sind, ist es nicht gelungen, die beiden Felder befriedigend voneinander zu trennen, sodass auf Förderebene differenziert agiert werden kann. Es steht zu befürchten, dass die Verschränkung der Bereiche unter dem Dach des Programms Creative Europe diese Vermischung noch weiter betreiben wird. Als Ausblick bleibt nur zu hoffen, dass diese Vorlagen auf nationalstaatlicher Ebene nicht weiter geführt werden, sondern dass (Kreativ-)Wirtschaftsförderung weiterhin primär nicht aus den Mitteln der Kunst- und Kulturförderung geleistet wird und dass somit zumindest ein Teil der Projekte, die in Creative Europe keinen Platz mehr finden, doch realisiert werden kann.

Anmerkung

(*) siehe: www.ec.europa.eu/culture/creative-europe/index_de.htm

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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