die magische 40 – oder: wann werde auch ich „erwachsen“ — IG Kultur

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INHALT 03/2008

 

die magische 40 – oder: wann werde auch ich „erwachsen“

christina nemec

dass so manche spitzenkandidatInnen und parteichefInnen ungefähr in meinem alter sind, das macht mich langsam nervös. irgendwie kommen die mir im fernsehen und in interviews immer so alt vor. sogar die jvp-chefin fuhrmann, die mit ende 20 locker ein glawischnig-double geben kann, und dabei sogar älter wirkt. einzig der haider, der war so alt wie er aussah, ein verwutzeltes grinsendes manderl. aber beim original war das auch schon egal. während das andere original für sein alter auch schon etwas müde und verbraucht aussieht, die nächte in sogenannten unterschichtkids-diskos oder krochabuden scheinen energie raubend. eins, zwei haaaa ceee, die musik stammt übrigens von keinem geringeren als klaus biedermann, der in den 90er jahren mit „raumschiff edelweiss“ nach KLF-strickanleitung einen hit produzierte. wie geht das zusammen, fragt man sich. ich meine, für dj ötzi einen song zu schreiben, ist etwas anderes als für hc.

geld verdienen müssen, leben etc., alles wovor man sich plötzlich ab 30 oder so zu fürchten beginnt. ich nicht, damals, weil ich mich in die uni gedrückt habe, um mehr zeit zu haben, für alles. lesen, party, musik, socialising uvm. auf der uni bin ich jetzt fast 10 jahre und wurde letztens gefragt, als ich höflich meine vorschläge für ein diplomarbeitsthema besprechen wollte, warum ich mir das antue, ob ich etwa den titel brauche? gefragt von einer professorin, die, jünger als ich, eine lückenlos brave bildungsbürgerInnenbiografie vorzuweisen hat. every step a hit, oder so, auf edelweiss-deutsch. oder: the world is small in vorarlberg. egal: und es war zeit, was zu suchen, das so was wie versicherung bringt, sonst ist das leben kaum mehr leistbar geworden. schon gar nicht über die musik, die manchmal was abwirft, nachdem sie eine schon nächtelang an den rechner oder das mischpult gefesselt hat, damit das, was rauskommt auch halbwegs passt. wer in gruppen arbeitet weiß: mehr köchInnen, mehr brei.

im sommer bin ich 40 jahre alt geworden. in paris, damit ich ein bisschen meine ruhe hatte und chablis und pastis lieben lernen konnte. meine freundinnen haben jetzt schon kinder, viele erwachsene, aber auch viele kleine. ich noch nicht, aber ich schaue sie mir gerne an und spiele auch manchmal, hoffend, dass die kinder, wenn sie größer sind, nicht solche leute wie hc wählen werden. andere freundInnen, die keine eigenen kinder und schon karriere gemacht haben, fahren jetzt in länder, wo es kinder gibt, die menschen brauchen, die sie ein bisschen streicheln, füttern und mit ihnen spielen. das nennt man dann sorgfaltsurlaub oder so. ein urlaub, an dem frau und man sich so richtig gut fühlen kann. raus aus dem alltag. und was gutes tun.

gutes forderte auch jörg haider, indem er flüchtlingen ein ehemaliges kindererholungsheim auf einer alm zur verfügung stellen wollte, damit sie dort sich schön erholen können und niemandem auf die nerven gehen, die burnout managerInnen können ja dann mit dem jeep rauffahren und ein bisschen alltag raus-kärnten rein spielen. musik darf auch dabei sein, weil in kärnten singen ein MUSS ist!!!

 
 

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