Alliance to Kill
Angesichts des neuen Asyl- und Fremdenrechtes,
angesichts eines zu erwartenden schmutzigen Wahlkampfes
stellt sich die Frage, was diejenigen zu tun
gedenken, die eh immer schon meinen, dass Hetze
und Xenophobie zu bekämpfen wären. Schon schreiben
sich Mainstream-VeranstalterInnen und konservativste
PolitikerInnen Integration und Partizipation
auf die Fahnen ihrer Kulturpolitik. Sogar der französische
Innenminister Sarkozy findet klare Worte und
bezeichnete die Entführung und Ermordung eines
jüdischen Mannes als antisemitisch motiviert. Der
Entführte, Ilan Halimi, kam zwar aus ärmeren Verhältnissen,
aber die jüdische Gemeinde würde laut
den Entführern das Geld schon aufstellen.
Also was tun? Temporäre Allianzen schließen, denken
sich politisch Aktive. Eine Gelegenheit gab es
dazu bei einem Workshop in Linz, eingeladen waren
mehrheitsangehörige Kulturinitiativen und selbstorganisierte
MigrantInnenorganisationen. Die Migrantinnen
sind gekommen, die Aktiven in oberösterreichischen
Kulturinitiativen blieben zum großen Teil
aus, trotz eines klar definierten Zieles: Position zu
beziehen zur Kulturhauptstadt Linz 2009, Allianzen zu
bilden und eventuell ein Projekt einzureichen.
Gerechterweise muss gesagt werden, dass 2 Organisationen
kurzzeitig absagten. Aber was war mit den
anderen? „Privilegien für alle!“ hieß eines der Kulturprojekte
von maiz, aber wer sieht schon gerne die
eigenen Felle davon schwimmen? Ja, es wird ernst,
wenn es um Ressourcen und um Zugänge geht,
bereits der gleiche Informationsstand zwischen
Mehrheits- und Minderheitsangehörigen wäre schon
mal ein Anfang. Wurden österreichische KIs von der
Leitung Linz 2009 aufgefordert, fleißig einzureichen,
gab es für MigrantInnenorganisationen diese Aufforderung
(trotz persönlichen Gespräches) nicht.
Um Linz 2009 nicht zu einer Veranstaltung des freien
Kulturmarktes und wahnwitzigen Wettbewerbes
werden zu lassen, wäre es von Nöten, dass gerade
jene, die kontinuierlich in den Bereichen autonomer
und politisch antirassistischer Kulturarbeit arbeiten,
jetzt massiv und koordiniert einreichen, um die Themenschwerpunktsetzungen
heute noch zu beeinflussen.
Und das nicht nur auf 2009 beschränkt. Denn –
oh, du liebe Nachhaltigkeit! – wer soll für die sorgen,
auch in den Regionen. Stattdessen sollte sich niemand
darauf einlassen, in Konkurrenz zu allen anderen
etwas erreichen zu wollen. Für eine längerfristige
Arbeit wird eine eventuelle Zusage eines Projektes
nichts bedeuten, gerade nicht für kleinere Initiativen.
Solidarisierung setzt aber eine Politisierung der eigenen
Ränge voraus – eine Politisierung, die genauso
für mehrheitsangehörigen Kulturinitiativen wie auch
für MigrantInnenorganisationen gilt. Partizipation
stellt sich nicht über vorgegebene Großprojekte ein,
sondern braucht klare Voraussetzungen, und eine ist
gewiss die der kritischen Analyse von Privilegien und
Zugängen, was implizieren würde, ein paar Felle
schwimmen zu lassen.
Damit 2009 nicht eine „Alliance to Kill“ wird, weil
sich strategische Gegenallianzen nicht bilden konnten
oder wollten.
