"TKI open" - Ein Fördertopf für politische Kulturarbeit
Seit 2002 betreibt die „TKI – Tiroler Kulturinitiativen / IG Kultur Tirol“ das „TKI
open“, dessen aktuelle Ausschreibung unter dem Motto „don't take it private,
take it politically“ stand. Die Kulturrisse baten Helene Schnitzer und Gudrun
Pechtl von der TKI zum Interview und um eine Darstellung des zu Grunde liegenden
Konzepts dieser Kulturförderschiene der etwas anderen Art.
Was ist das TKI open und welche Überlegungen liegen ihm zu Grunde?
Die Initiierung von TKI open hängt eng mit der in den letzten Jahren vollzogenen
Umstrukturierung der TKI von einem Dachverband von regionalen Kulturinitiativen
zu einer offenen Interessenvertretung für autonome Kulturarbeit in Tirol
zusammen. Während die Gründungsmitglieder der TKI im kleinen Kreis gemeinschaftlich
Kulturprojekte realisierten, war es uns ein Anliegen, mit der Einrichtung
von TKI open im Jahr 2002 die Öffnung der TKI zu unterstreichen. Darüber
hinaus versuchten wir mit TKI open als einem politischen Instrument, auf Mängel
und Fehlstellen in der gängigen Förderpraxis hinzuweisen und eigene Forderungen
zu positionieren. In den letzten Jahren hat der (ökonomische) Druck auf
Kulturprojekte zugenommen, und gerade in Tirol wird immer häufiger der Maßstab
von ökonomischer und touristischer Verwertbarkeit an Kulturprojekte angelegt.
TKI open ist ein Versuch, dieser Entwicklung zu begegnen und einen Fördertopf
für politische Kulturarbeit zu etablieren.
TKI open versteht sich nicht als „Preis“ oder „Award“ sondern als ein vom Land
Tirol finanzierter Förderansatz, der einem bestimmten kulturellen Segment
gewidmet ist. Der Titel „TKI open“ ironisiert mit seinem Verweis auf sportliche
Wettkämpfe den kompetitiven Charakter von Awards, den wir in der Kulturarbeit
für kontraproduktiv halten.
Bisher haben wir auf eine konkrete Themenvorgabe verzichtet, um möglichst
viele KulturaktivistInnen zur Einreichung von Projekten zu animieren. Dennoch
hat TKI open eine klare programmatische Ausrichtung und einen Kriterienkatalog,
anhand dessen eine von der TKI jährlich neu zusammengesetzte Jury ihre
Entscheidungen trifft. Die Jurysitzung ist offen zugänglich und unterstreicht
unsere Forderung nach mehr Transparenz in der Vergabe von Fördermitteln.
Den ProjektbetreiberInnen bietet die TKI Beratung und Unterstützung von der
Antragstellung bis zur Projektabrechnung. Dies ermöglicht uns, vor allem junge
Kulturinitiativen zu unterstützen und die TKI auch als Beratungs- und Vernetzungsstelle
im Bewusstsein der Kulturschaffenden zu verankern.
Zur Qualitätssicherung von TKI open versuchen wir über ein Beiratssystem, dem
u.a. ehemalige Jurymitglieder angehören, die Förderschiene regelmäßig zu
reflektieren und wenn nötig zu modifizieren.
Inwiefern taugt eine Förderschiene wie das TKI open als Instrument zur Initiierung
und Stärkung politisch-emanzipatorischer Kulturarbeit?
Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass in Tirol zeitkulturelle Projekte
mit politisch-emanzipatorischen Aspekten einem veralteten, zu engen Kulturbegriff
zum Opfer fallen und von der öffentlichen Hand weitgehend ignoriert werden.
TKI open zielt darauf ab, exemplarische Projekte zu fördern, ihnen eine
breite Öffentlichkeit zu erschließen und diese für bestimmte politische Fragestellungen
zu sensibilisieren. TKI open soll eine größere Sichtbarkeit von politischer
Kulturarbeit erzeugen. Seit Beginn von TKI open im Jahr 2002 wurden 53
Kulturprojekte ausgewählt und realisiert. Kulturschaffende konnten durch die
Existenz der Förderschiene TKI open nachhaltig dazu motiviert werden, politischemanzipatorische
Projektideen in Konzepte zu fassen, weil eine tatsächliche
Umsetzung ihrer Projekte um vieles wahrscheinlicher geworden ist. Die ausgewählten
Projekte haben Themen platziert, die sonst sehr wahrscheinlich nicht in
dieser Form und Präsenz öffentlich geworden wären. Es sind neue Formen von
Öffentlichkeiten entstanden.
Das TKI open 06 stand unter dem Motto „don't take it private, take it politically“.
Das erinnert zum einen an eines der zentralen Prinzipien der 2. Frauenbewegung
(„Das Private ist politisch“), scheint zum anderen aber auch
gegen die neoliberale Tendenz zur Privatisierung sozialer Risiken zu opponieren.
Welche Überlegungen standen konkret hinter der Entscheidung, das TKI
open 06 unter diesem Motto auszutragen?
Es waren genau diese beiden in der Frage angesprochenen Aspekte, die uns zu
diesem Schritt bewogen haben. Auch in der visuellen Kommunikation haben wir
mit der Zeichnung von einer in der Nase bohrenden jungen Frau der finnischen
Künstlerin Maria Ångerman auf diese Themen angespielt. Die Botschaft ist
offenbar angekommen, der Anteil von feministischen, antirassistischen und
sozialkritischen Projekten war noch nie so hoch wie bei TKI open 06.
Mehr noch als bereits in den voran gegangenen Jahren fällt auf, dass die 13,
im Rahmen von TKI open 06 prämierten Projekte insbesondere aus den Bereichen
feministische, migrantische/antirassistische Kulturarbeit sowie Jugendund
Populärkultur kommen. Wie erklärt ihr euch diesen Umstand?
Die Zusammensetzung der Einreichungen bildet ganz sicher eine Realität der
Kulturförderung in Tirol ab. An ihr wird ablesbar, welche Bereiche in der aktuellen
Förderpraxis marginalisiert werden. Feministische, migrantische, antirassistische
und jugendkulturelle Projekte finden im Kulturbegriff der öffentlichen
Hand kaum Platz. Die geringe Anzahl an Einreichungen von Kulturinitiativen
aus ländlichen Regionen verweist ebenfalls auf deren schwierige Arbeitssituation.
Es ist Ziel der TKI, diesen der Kulturförderung zu Grunde liegenden Kulturbegriff
in Frage zu stellen und hier neue, erweiterte Ansätze zu etablieren.
Die „TKI – Tiroler Kulturinitiativen
/ IG Kultur
Tirol“ ist die Interessenvertretung
der autonomen
und nicht kommerziellen
Kulturinitiativen
und KulturveranstalterInnen
in Tirol.
TKI
