weil es noch immer brennt — IG Kultur

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INHALT 01/2013

 

protestsongcontest – harmonie und votivkirche – und weil es noch immer brennt: female pressure

christina nemec

sie hätten mehr proben können, zeit genug wäre ja gewesen in ihrem camp in der votivkirche oder so ähnlich – sagte der hiphopper und popkünstler skero als jurymitglied zu den vertretern des refugee camps im rahmen der protestsongcontest-veranstaltung im wiener rabenhof theater. als entschuldigung spielt er gerne bei einer soliveranstaltung – danke, nein – wird der vorschlag abgelehnt.

peter paul skrepek von der musikergilde (wer sich die homepage anschaut, fühlt sich um 15 jahre mindestens zurückversetzt, als musikerin selbst kann ich mir nicht vorstellen, von diesem verein vertreten zu werden) kann in der performance keinen künstlerischen mehrwert erkennen und für profane politische anliegen sei der protestsongcontest nicht geschaffen worden.

andere jurymitglieder schämen sich – öffentlich.

vor einem jahr war ich jurymitglied beim protestsongcontest – und ich weiß bis heute nicht so recht, was das eigentlich sein soll – ein protestsong im rahmen der gleichnamigen veranstaltung. viele der künstler_innen, die ich zu bewerten hatte, wussten auch nicht, was das sein soll und wofür oder wogegen man protestiert – aber: dabei sein ist alles.

wenn das schöne, harmonisch kunstvolle – protest der kunst wegen oder l’art pour l’art – lied gewinnt, der song, der niemandem weh tut – oder eine raunzerei, die sich selbst genug ist –, was ist das dann?

martin blumenau schreibt in seinem fm4-blog erhellendes zur diesjährigen veranstaltung: „Unter anderem deshalb gibt es seit zehn Jahren den Protestsongcontest: um derlei Anliegen öffentlich zu machen (...). Und dass derlei nötig ist, zeigt mir schon die Tatsache, dass es – mitten im modern-aufgeklärten Österreich, natürlich in von der Industrie finanzierten Medien – möglich ist, das feststehende Datum des Bewerb-Abends (den 12. Februar) euphemisch als Beginn irgendwelcher Februar-Unruhen zu bezeichnen, um den österreichischen Bürgerkrieg und den Beginn der austrofaschistischen Diktatur 1934 zu verharmlosen.“

der protestsongcontest findet also immer am 12. februar statt und soll durchaus dazu dienen, wie es in manchen protestsong-definitionen gefordert wird, sozialen bewegungen und kämpfen gehör zu verschaffen. martin blumenau schreibt weiters: „Stattdessen haben wir eine Feier erlebt, eine Musik, Appell, Text und Performance gewordene Selbstermächtigung (...). Etwas Wichtigeres kann es für Menschen, denen die Basis ihres Seins abgesprochen wird, nicht geben. Genau dafür, hat einer der Erfinder des Contest mir nach der Entscheidung (...) ins Ohr gebrüllt, genau dafür haben wir diese Veranstaltung doch gemacht. Für die lebendige politische Praxis, für die Veränderung, nicht fürs akademische Bewahren. Er hat deshalb gebrüllt, weil es so laut war, aber auch weil er so wütend war. Ich war nicht wütend; ich war nur sauer. Denn die Jury war dieser Intention der Veranstaltung nur teilweise gefolgt. Es waren in erster Linie die Musiker, die die musikalischen über die politischen Kriterien gestellt hatten.“

genau dafür steht er nicht, und so wie der protestsongcontest immer am 12. februar über die bühne geht – wie er wohl im nächsten elften jahr aussehen wird? –, findet der internationale frauen(kampf)tag am achten märz statt – und dieses jahr mit einer ziemlich starken (selbst)ermächtigungsinitiative der female pressure community.

yes still discussing the same shit. Ist es wirklich so schwer, sich als künstler_in zu erklären und position zu beziehen?

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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