VorRisse — IG Kultur

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VorRisse

Patricia Köstring

Der vorliegende Heftschwerpunkt multilingual heterolingual stellt Konzepte und Praxen von Heterolingualität bzw. Multilingualität vor, verstanden als politische, sprachwissenschaftliche, pädagogische Ansätze, die sich nicht locken lassen von Ideen eines bloßen (bunten) Nebeneinanders von Sprachen. Die deutlich jene Probleme ansprechen, die dadurch entstehen, dass „Sprache“ als nationale Sprache, als Einheit, Naturgegebenheit begriffen wird, zwischen den Sprachen Grenzen gesetzt und Sprachräume gleichsam als Territorien umfriedet werden. Wie ist nun etwa Übersetzung zu begreifen, wenn es nicht um translatio im Sinne eines Transfers zwischen gesonderten sprachlich-kulturellen Räumen gehen soll? Wie die Repräsentation durch eine einzige Stimme verwerfen? Worin würde in der Praxis, aus migrantischer Position heraus, eine „Anerkennung“ von Mehrsprachigkeit bestehen? Wie können Verstehen und Nicht-Verstehen produktiv ins Spiel gebracht werden, eben nicht von der hegemonialen Herangehensweise an ein „Defizit“ durchsetzt gefasst?

„[Wir müssen,] um uns mit der Globalisierung zu konfrontieren, zunächst die Struktur der nationalstaatlichen Herstellung von Subjektivität konfrontieren. Der Frage der Übersetzung kommen wir nicht aus, eben weil eine kritische Analyse des Kapitalismus nicht auf der Annahme eines nationalen Subjekts durchgeführt werden kann,“ schreibt Naoki Sakai in seinem eröffnenden Essay. Notwendig sei ein neues Verständnis von Übersetzung, habe sie als Disziplin doch an der Verkörperung einer Abgrenzung von Nationalsprachen mitgewirkt. Es sei an der Zeit, führt Jon Solomon dieses Argument weiter aus, „sich vom Mythos des Westens mit all seinen Arten der Differenz zu verabschieden“, die „ ,Tatsache‘ der Geschichte aufzugeben und das ,Gegebene‘ zu zelebrieren.“ Myriam Suchet analysiert die Subjektposition der SprecherIn und das Sprechen in jemandes Namen in Verbindung mit der Sprachlichkeit sozialer Bewegungen. Und auch wenn es in diesem Schwerpunkt vielfach darum geht, Brücken (als Bilder für die „Überbrückung“ zwischen Sprachterritorien) einzureißen, so ist doch Rubia Salgados Beitrag als eine Brücke zu sehen: zwischen den Ansätzen von Heterolingualität und migrationsgesellschaftlicher Mehrsprachigkeit, die sie zueinander in Beziehung setzt, und den von ihr – ausgehend von dem von der Selbstorganisation maiz konzipierten Projekt Deutsch als Zweitsprache als kritische Bildungsarbeit – formulierten Analysen und Forderungen zur Seite stellt. Als Angebot des Dialogs an Deutsch als Zweitsprache Lehrende. Eine pädagogische Praxis, die einen Beitrag zur Gestaltung einer mehrsprachigen Gesellschaft leisten wolle, müsse sich, so Salgado, bewusst sein, dass Kritik an Monolingualität eine kritische Haltung gegenüber monolingual verfassten Nationalstaaten und die Problematisierung von Machtverhältnissen erfordere. Der abschließende Beitrag von Vladka Frketić stellt ebenfalls das Konzept der Mehrsprachigkeit auf den Prüfstand. Ausgehend von einer Studie des Vereins LEFÖ stellt sie die Frage danach, wie die Rede von „Anerkennung“ und „Toleranz“ im gelebten Alltag der Mehrsprachigkeit verankert werden könnten.

Entstanden ist dieser Schwerpunkt in Kooperation mit dem eipcp – european institute for progressive cultural policies im Rahmen des Projekts Europe as a Translational Space: The politics of Heterolinguality (finanziert vom FWF Austrian Science Fund: TRP34-G15). Die Texte von Jon Solomon, Myriam Suchet und Rubia Salgado sind gekürzte Fassungen ihrer Beiträge zur Konferenz Eine Kommunalität, die nicht sprechen kann: Europa in Übersetzung. Langfassungen einiger Texte sind im multilingualen Webjournal transversal zu lesen (transversal.eipcp.net).

 
 

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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