Neues aus der Kleingartensiedlung — IG Kultur

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Neues aus der Kleingartensiedlung

Andi Wahl

Der Kleingärtner, die Kleingärtnerin hat nun wieder Hochsaison, und mancheR derwutzelt sich beinahe. Dennoch ist auch schon wieder das Ende des Gartenjahres zu erahnen. Einige Früchte sind bereits abgeerntet, und man sät Gründüngung aus. Ölrettich, Perserklee und Gelbsenf bedecken den Boden, lockern ihn auf und bewahren ihn vor zu schneller Austrocknung. Alle Arten von Klee führen dem Boden Stickstoff zu, und man erspart sich Kunstdünger. Überhaupt ist der Einsatz von Spritzmitteln und Kunstdünger bei uns KleingärtnerInnen verpönt. Wer auf sich hält, hat überdies seit langem ein Insektenhotel im Garten. Bei uns ist schon lange umgesetzt, was beispielsweise in der Landwirtschaft erst begriffen werden muss: Vielfältigkeit ist nicht nur schön, sondern auch sehr praktisch. Man muss nur damit umgehen können. Lässt man beispielsweise Hühner rund um den Kirschbaum picken, hat man weniger wurmige Kirschen, weil die Hühner die Würmer schon fressen, bevor sie zu Fliegen werden und weitere Wurmeier in die Kirschen legen. Setzt man Knoblauch zwischen die Erdbeerreihen, so schützt man diese vor Grauschimmelbefall – besonders in feuchten Jahren wie dem heurigen wichtig. Dass Monokulturen auf längere Sicht nichts taugen, ist ja gottseidank schon zum Allgemeingut geworden. Aber was im Kleingarten jedeR einsieht, scheint in anderen Lebensbereichen radikal und utopisch zu sein. Nehmen Sie nur die Sprache. Da wird immer nur darauf geachtet, dass die Kinder möglichst gut Deutsch lernen. Aber wie gut muss man Deutsch können, um sich verständlich zu machen? Erkennen Sie aus dem Stand, was am Satz „der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ so lustig sein soll bzw. wissen Sie, wie das Plusquamperfekt korrekt gebildet wird?

Na sehen Sie. Und Sie kommen doch auch ganz passabel durchs Leben. Anstatt so viel in eine Sprache zu investieren, könnte man doch auch mehrere Sprachen so lala sprechen und dafür das Springen zwischen den Sprachen mehr üben. Die Dinge in jener Sprache benennen, in der man die besseren Worte dafür hat. Oder in der einem das betreffende Wort am besten gefällt. Denn perfekt werden die wenigsten von uns eine Sprache beherrschen. Die Frage ist nur, was gut und was gut genug ist. Und wer sich heraus nimmt, über wessen Sprache die Nase zu rümpfen. Sprache ändert sich ohnehin laufend, und wer gestern noch für den Umstand, dass er/sie Sprache nicht korrekt angewandt hatte, dem Gelächter seiner/ihrer Mitmenschen ausgesetzt gewesen wäre, könnte morgen schon zur/m PionierIn ernannt worden sein. Oder so.

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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