Let’s do the math! Was kostet deine Arbeit? — IG Kultur

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INHALT 2/2012

 

Let’s do the math! Was kostet deine Arbeit?

Elisabeth Mayerhofer und Paul Stepan

Kunst- und Kulturförderung haben einen bestimmten Zweck: Kreativen die Möglichkeit zu verschaffen, nicht marktgängige Projekte zu ermöglichen, Experimente zuzulassen und dabei das finanzielle Risiko auf die Gesellschaft zu übertragen, in der diese Kunst- und Kulturproduktion erwünscht und nachgefragt wird. Es geht also um die Übernahme jener Kosten, die nicht durch Erlöse (zum Beispiel durch Kartenverkauf) gedeckt werden können. Doch was sind diese Kosten? Handelt es sich lediglich um Materialkosten oder auch um Honorare? Und hier sind wir auch schon am Kern des Problems, denn in den letzten Jahrzehnten gab es für Letztere bedauerlicherweise immer weniger Spielraum.

Die IG Kultur Österreich hat vor über einem Jahr mit der Kampagne Fair pay begonnen und ja, auch wir müssen gestehen, dass wir beim ersten Ansehen der Gehaltsschemata den Verdacht hatten, dass das zwar irgendwie schon alles sehr gut gemeint war – aber ob es in der IG nicht doch zu einer gewissen Realitätsferne gekommen ist? Niemand im Kulturbereich (große Institutionen ausgenommen) kann solche Gehälter zahlen. Nur wenige können überhaupt Gehälter zahlen, sondern bestenfalls „Wennwasübrigbleibt-Honorare“. Aber jetzt einmal naiv gefragt: Warum eigentlich? Liest man zum Beispiel im Programme Guide des Kulturprogrammes 2007-2013 nach, so steht dort für Österreich ein Durchschnittsgehalt von 40.295 Euro als Personalkostensatz für Kulturprojekte. Mal ehrlich, wie viele Kulturinitiativen können (wenn auch nur Teilzeit) ihren MitarbeiterInnen ein solches Gehalt auszahlen? Gut, werden jetzt einige sagen, aber immerhin zahlen wir Honorare, und das kann man mit einem Personalkostensatz nicht einfach vergleichen. Das ist richtig, und es bleibt auch den Betroffenen kurzfristig verhältnismäßig ein bisschen mehr übrig, aber das ist letztlich ein Vorgriff auf die eigene Pension, denn in die wird nur in den seltensten Fällen adäquat eingezahlt. Um auf das gleiche Nettogehalt wie im obigen Beispiel zu kommen, müsste ein Selbstständiger oder eine Selbstständige etwa 60.000 bis 70.000 Euro Umsatz pro Jahr machen (die Zahlen können auf Nachfrage gerne vorgerechnet werden). Also noch einmal im Vertrauen, wie viele Kulturinitiativen, aber auch durchaus etablierte Kulturinstitutionen stellen Honorarnoten an Einzelpersonen in dieser Höhe (im Durchschnitt)? Auch wieder nichts.

Es wird also implizit von den verantwortlichen KulturpolitikerInnen angenommen, dass Kulturarbeit nicht bezahlt werden muss und folglich die Betroffenen entweder bescheidener sein müssen als der Rest der Bevölkerung oder – wenn sie sich unbedingt den Luxus leisten möchten, zu essen, Miete zu zahlen, Kinder zu haben oder gar auf Urlaub zu fahren – sich das Geld eben anderweitig beschaffen müssen. Diese Haltung treibt die Kulturarbeit in den Dilettantismus einer Freizeitbeschäftigung, denn wie soll sich professionelles Arbeiten ohne Bezahlung sonst à la longue ausgehen? Vorschläge der Politik? Kulturförderung fördert mit der Gießkanne keine Vielfalt, sondern Entprofessionalisierung und sozioökonomischen Darwinismus. Durch all die Sachzwänge, Budgetkürzungen oder lediglich durch die kalte Progression ist über die Jahre eine Situation entstanden, in der Arbeit nicht mehr bezahlt werden kann.

Soweit so – gut? Und jetzt? Und jetzt wird es wirklich schwierig, dass nach vielen Jahren der sukzessiven Entwertung von Kulturarbeit und der entstandenen „Gratismentalität“ – hier passt der Ausdruck einmal wirklich – wieder ein Bewusstsein geschaffen wird, dass Kunst und Kultur nicht einfach geschenkt zu haben sind. Projekte entstehen nicht einfach aus den Materialien, die dabei verwendet werden. Sie brauchen Strukturen und bezahlte Arbeit – und diese müssen den Projektkosten auch wieder zugerechnet und in weiterer Folge auch bezahlt werden.

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  • Anna Jeller, 1040 Wien
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  • Leporello, 1010 Wien
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