Happiness Is A Warm Gun — IG Kultur

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Happiness Is A Warm Gun

Marty Huber

Ach, wäre das doch nur so einfach mit dem Glück. Ja, gäbe es doch überall das Recht auf Glück in der Verfassung verankert wie in den USA (Persuit of Happiness) oder das Bruttonationalglück in Bhutan. Ja, vielleicht würde eine gute (sic!) Regierung wie bei den Zapatistas (Junta de Buen Gobierno) schon reichen, um ein wenig Glück zu erhaschen. Derweil leben wir in einer Welt, die das Glück mehr und mehr in der Noch-Einmal-Davon-Gekommen-Freude findet, oder viel schlimmer noch, so wie die Beatles das in ihrem Lied „Happiness Is A Warm Gun“ besungen haben, indem sie die Schlagzeile eines Waffenmagazins zitieren: Glück ist die Wärme einer Waffe, nachdem sie abgefeuert wurde. Diesem Glück haben wir in letzter Zeit oft ins Auge blicken können, wenn auch nicht unbedingt in der martialischen Form des Waffengebrauches. Auf subtile Weise erinnern mich die Grinsefratzen diverser (Nebenerwerbs-)Lobbyist_innen, (Nebenerwerbs-)Politiker_innen und (Nebenerwerbs-)Leistungsträger_innen aber dennoch an diese Art der perfiden Freude. Wenn schon nicht für kriminell, dann doch wenigstens für unmoralisch, halten viele die Handlungen der Kofferträger_innen und Stiftungsbetreiber_innen. Es ist schon komisch, wenn diese politische Kaste über Steuereinnahmen nachdenken soll und dann selbst dafür sorgt, dass Gelder am Fiskus vorbei in Steueroasen geparkt werden. Kriminell ist das wohl zum Großteil nicht. Gelegenheit macht legalisierte Diebe, wenn diese auch noch in den Regierungen sitzen und die Gesetze bestimmen. Ich kann mir echt vorstellen, dass das einem_r Spaß und Freude verschafft: das Machtgefühl, die Zügel in der Hand, ein wenig abhängig schon, ja süchtig machend, das Ganze. „I need a fix because I am going down“ (Beatles). Irgendwann erwischt es sie dann doch, selbst in Österreich, aber siehe da, es passiert nichts, ist ja nichts nachweislich Strafbares geschehen. Zurücktreten? Aber geh! Wegen den paar lächerlichen Millionen an Berater_innenhonoraren und dergleichen, wer will da gleich so einen Aufstand machen?

Schlimm wird es natürlich dann, wenn jemand einen Aufstand macht, besonders in der Höhle des turbokapitalistischen Löwen namens London. Dabei vermittelten viele der Fahndungsfotos der Polizei gerade eben dieses kleine Glück der warmen Waffe: Die ergatterten Konsumwaren, Kleidungsstücke mit den richtigen Logos, Elektronik der wahren Helden des Konsums wurden erstaunt beäugt und fast liebevoll von dannen getragen. Das ausgeprägte Markenbewusstsein hat eine Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit längst abgelöst. Vielleicht kann ich es wagen, dies zu behaupten, denn wen wundert’s, wenn eine „Demokratie“, die ihre Bürger_innen zu Konsument_innen reduziert, statt political riots eben consumer riots erhält. Dass dann der Diebstahl einer Flasche Mineralwasser zum Terrorakt gegen den Staat wird, muss wohl klar sein. Das eigentliche Thema der Aufstände konnte so schnell unter den Perserteppich gekehrt werden: das Auseinanderklaffen von Arm und Reich; ein Status Quo, der nur mit noch mehr Überwachung und Polizeigewalt aufrechterhalten werden kann.

Jedoch, so lehrt das Bruttonationalglück, kann trotz relativer Armut, wenn diese auf alle verteilt ist, ein Reichtum abseits vom Prosperitätsdenken, oder – auf den Punkt gebracht – abseits von Gier erlangt werden. Schließlich orientiert sich das Bruttonationalglück ja unter anderem an Ökologie, Gesundheit, psychologischem Wohlbefinden, Lebensstandards, Bildung, Gemeinschaft und am Umgang mit der Ressource Zeit. Auf den Zahn gefühlt schneidet die USA – von deren Verfassungserlaubnis, nach Glück zu streben, ich am Beginn der Kolumne sprach – bei den Happy-Indizes immer besonders schlecht ab. „She is not a girl who misses much“ (Beatles).


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www.gnhc.gov.bt
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