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Der Nussschnaps kann warten

Andi Wahl

Jetzt wird es wieder ruhiger bei uns KleingartenbesitzerInnen. Die Gärten werden eingewintert, die Erdbeeren mit Stroh bedeckt und die letzten Blumenzwiebeln eingelegt. Jetzt ist die Zeit, in der wir wieder gerne beisammensitzen, die ersten Marmeladen verkosten und dem Nussschnaps sehnsüchtig beim Reifen zusehen. Und wenn man so beisammensitzt, kommt man natürlich auch ins Plaudern. Natürlich geht es da vorwiegend um Schneckenbekämpfung, Kompostreifung und Brennnesseljauche. Aber immer öfter drehen sich unsere Gespräche auch um größere Themen. Politik etwa oder Verteilungsgerechtigkeit, ab und zu auch einmal um Monarchenhochzeiten oder -begräbnisse. Selten kommen eigentlich wirtschaftliche Themen auf unseren KleingärtnerInnen-Stammtisch. Denn Wirtschaft, so dachten wir lange Zeit, gibt nicht viel her. Da geht es um Börsenkurse, Gleichgewichtstheorien und Geldflüsse, die man sich gar nicht vorstellen kann. Wirtschaft, so meinten wir, das lohnt nicht, weil: Da kennt sich ohnehin keiner von uns aus. Und wenn man sich nicht auskennt – worüber soll man dann reden?

Jetzt war da aber kürzlich eine junge Frau bei unserem Stammtisch. Michaela Schmidt hat die geheißen. Ich weiß auch gar nicht mehr, wer die mitgebracht hat. Diese Frau Schmidt arbeitet in irgendeiner wirtschaftspolitischen Abteilung. Na, die hätten Sie einmal hören sollen! Wie die über wirtschaftliche Zusammenhänge reden kann! Da kommt man plötzlich drauf, dass es da um ganz entscheidende Fragestellungen geht. Und plötzlich ist es uns wie Schuppen von den Augen gefallen: Eigentlich sind wir alle wirtschaftspolitische Analphabeten. Kennen uns in dieser wichtigen Materie aber sowas von Null aus. Darum werden wir diesen Winter dazu nutzen, um uns in diesem Thema ein bisserl fitter zu machen. Denn wir haben den Verdacht, dass Wirtschaft bisher so sehr als Geheimwissenschaft dargestellt wurde, weil es den Experten ganz recht war, wenn sie unter sich bleiben und ihnen das blöde Volk nicht zu viel dreinredet. Wohin uns das gebracht hat, kann man ja mittlerweile in allen Zeitungen nachlesen: Eine Horrormeldung jagt die andere, und der Politik fallen scheinbar keine Alternativen ein. Allerweil nur „more of the same“.

Höchste Zeit, dass wir uns da wieder einmal einschalten. Aber zuerst müssen wir uns besser auskennen. Jetzt heißt es eben wieder einmal, Einführungsliteratur wälzen. Wie damals, als wir alle dieses Wühlmäuseproblem hatten. Aber das mit der Wirtschaft werden wir auch noch kapieren. Und der Nussschnaps wird ohnehin besser, wenn man ihn länger stehen lässt.

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  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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