Die Sache mit dem Vertikulierer-Kauf — IG Kultur

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden

INHALT 04/2012

 

Die Sache mit dem Vertikulierer-Kauf

Andi Wahl

Neues aus der Kleingartensiedlung

Derzeit sollte unsere Kleingartensiedlung eigentlich die Ruhe selbst sein. Eigentlich, denn es ist ganz und gar nicht so. Gerade jetzt, wo die meisten Hütten winterfest sind, die Beete unter einer dicken Mulchschicht liegen und alle Gartengeräte geputzt und geölt in ihren Halterungen hängen, gerade jetzt, wo das Leben hier so gemächlich und beschaulich sein könnte, gerade jetzt ist der größte Wirbel los. Es ist nämlich etwas aufgeflogen. Hat sich wohl nicht mehr länger verheimlichen lassen, die Sache. Mir – und das sage ich jetzt nicht, weil ich ein Besserwisser bin, der im Nachhinein immer g’scheit daher redet –, mir also ist die Sache schon damals nicht ganz koscher vorgekommen.

Vor gut zehn Jahren war es. Damals hatten wir eine mehr als umstrittene Vereinsleitung. Mehr als umstritten, das können Sie mir glauben. Wolfgang Topf war damals unser Obmann. Viele haben ihn Mascherl-Wolfi genannt (natürlich hinter seinem Rücken), obwohl er damals, 2002, gar kein Mascherl mehr getragen hat, sondern nur mehr Krawatte. Aber das ist ja jetzt nebensächlich. Der Topf also, unser damaliger Obmann, der hat immer so Obmann-Frühstücke gemacht. Das war so eine Art Saunarunde, nur halt ohne Sauna, dafür aber mit Kräutertee und Marmeladenkipferl. Bei diesen Obmann-Frühstücken wurden dann immer so informelle Sachen besprochen. Kann man ja niemandem verbieten, dass er sich seine FreundInnen einlädt und mit denen was bespricht. In Wahrheit wurden da aber die wirklich wichtigen Vereinsentscheidungen gefällt. Weil sich da der Obmann mit seinen Leuten abgesprochen hat, wie es im Verein weitergeht. Bei so einem Frühstück ist auch die Entscheidung gefallen, welche Vertikulierer der Verein ankaufen soll.

Wie gesagt, ist mir die Sache schon damals nicht ganz koscher vorgekommen, weil plötzlich die aller teuersten Geräte angeschafft wurden. Obwohl doch der damalige Kassier, der Karl-Heinz Krasser, überall erzählt hat, dass er auf jeden Fall die günstigsten Vertikulierer kaufen wollte. (Nebenbei: Wir hatten damals immer eine ziemliche Gaudi, weil wir – natürlich hinter vorgehaltener Hand – immer gesagt haben, der Name vom Kassier ist die Steigerungsform von krass. Also zum Beispiel: Krasser kann’s nimmer werden.)

Auf jeden Fall ist jetzt aufgeflogen, dass sich die ganze Bagage damals vom Gartengeräte-Vertreter hat bestechen lassen. Na, das gibt natürlich einen fürchterlichen Wirbel. Und das gerade jetzt, wo es so schön ruhig sein könnte. Natürlich muss man der Sache nachgehen, schließlich wollen wir alle wissen, was damals wirklich gelaufen ist. Aber mir kommt da schon wieder etwas nicht ganz koscher vor. Wenn sich jetzt alle aufblasen und „restlose Aufklärung“ fordern, dann frag’ ich mich, wovon sie mich eigentlich ablenken wollen. Ich habe nämlich schon so viele Vereinsleitungen kommen und gehen sehen, dass ich keiner mehr über den Weg traue. Und im Laufe der Zeit bin ich einfach zu einem Pessimisten geworden. Aber, glauben Sie mir, wie alle Pessimisten freu’ ich mich, wenn es doch anders kommt. (Kommt es aber nicht!)

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

Kulturrisse -

Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik

 

seit 1996

Oppositionen
gegenhegemoniale Konzepte und Unternehmen im zivilgesellschaftlichen Bereich

Kulturpolitiken
kritische Kommentare zu neuesten Entwicklungen der Kulturarbeit, Kulturpolitik, Kulturfinanzierung und der Kulturverwaltung

Kunstpraxen
Schlaglichter auf gelungene künstlerische Interventionen

Kosmopolitiken
Andocken an Diskurse jenseits der Grenzen des Nationalismus

IG KULTUR Österreich
Gumpendorfer Straße 63b
A-1060 Wien