Friede, Freude, deutscher Eintopf — IG Kultur

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INHALT 04/2011

 

Friede, Freude, deutscher Eintopf. Rechte Mythen, NS-Verharmlosung und antifaschistischer Protest

Renée Winter

Das vom Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens herausgegebene Buch „Friede, Freude, deutscher Eintopf“ ist eines der Bücher, von denen es viel zu wenige gibt, ist es doch vieles in einem: Einführung, Handbuch, Veröffentlichung historischer Recherchen und nicht zuletzt Dokumentation und Reflexion des politischen Aktivismus am und rund um den Ulrichsberg.

Der Ulrichsberg in Kärnten/Koroška, auf dem seit 1959 (bis 2009 mit Unterstützung des österreichischen Bundesheeres) Treffen von Veteranenverbänden der Wehrmacht und (Waffen-)SS und denjenigen, die diese politisch nahestehen, stattfinden, dient als Ausgangspunkt dieser aktivistischen, politischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschichtspolitiken in Österreich und Möglichkeiten des Handelns dagegen. Der Ulrichsberg selbst repräsentiert dabei einen Ort, an dem etwas besonders sichtbar wird, das jedoch strukturell in einer gesamtösterreichischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus verankert ist: das Täter_innengedenken, das sich in Form von Kriegerdenkmälern in Städten und Dörfern des ganzen Landes manifestiert und gemeinsam mit dem Mythos Österreichs als erstem Opfer seit Jahrzehnten eine dominante Konstante österreichischer Vergangenheitspolitik darstellt.

Die Analysen dominanter Geschichtspolitiken in Österreich – und der Verankerung von Gefallenen- und Heimatvertriebenen-Gedenken darin – verschränken sich im Sammelband mit Recherchen marginalisierter Geschichten, wie denen von jüdischem Leben in Kärnten/Koroška und insbesondere in Klagenfurt/Celovec, der Verfolgung und Ermordung von Roma und Sinti, kärntner Slowen_innen und Partisan_innen sowie Zwangsarbeit. Zwei weitere Texte beschäftigen sich mit der Geschichte und Gedächtnisgeschichte der ebenfalls marginalisierten Orte Peršmanhof und des ehemaligen Konzentrationslagers und Außenlagers von Mauthausen am Loiblpass.

Eingeschobene, grau hinterlegte Info-Seiten zu spezifischen Begriffen und Personen (z. B. Odilo Globočnik und Ernst Lerch, Ustaše, Proteste) sowie ein Personenverzeichnis am Ende des 400-Seiten-Buches ermöglichen darüber hinaus die Nutzung als Nachschlagewerk.

Was das Buch jedoch vor allem von anderen Publikationen zu österreichischen Geschichtspolitiken unterscheidet, ist die Benennung einer kompromisslosen politischen Positioniertheit gegenüber dem Ulrichsberg bzw. dem, was er repräsentiert: „Wir stehen diesem Veteranentreffen nicht diskursiv gegenüber – wir wollen, dass Schluß damit ist!“ (18). Dieser politisch aktivistische Hintergrund ist Basis der hier geschehenden fälligen Dokumentation von Protesten, Aktivismus und bislang unpublizierten Geschichten und auch der hier stattfindenden Selbstreflexion der politischen Aktionsformen. Nicht zuletzt sind die Beiträge von einer Genauigkeit der Sprache und einer Differenziertheit geprägt, denen lange Diskussionsprozesse anzumerken sind.

Der Sammelband ist in der Reihe kritik & utopie vom Mandelbaum Verlag erschienen, die seit diesem Jahr Publikationen zu Politik, Protest, Reflexion und Theorie umfasst und auf deren weitere Veröffentlichungen wir gespannt sein dürfen.

Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens (Hg.): Friede, Freude, deutscher Eintopf. Rechte Mythen, NS-Verharmlosung und antifaschistischer Protest. Wien: mandelbaum 2011

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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