Opposition ohne Land
Kulturrisse 04/2001
Nach dem Sommer des Protests, der reichlich praktische Erfahrungen zwischen Gipfel-Hopping und Grenzcamps, zwischen Karawanenkunst und Staatsgewalt gezeitigt hat, soll die aktuelle Ausgabe mit verschiedenen reflexiven Ansätzen die Diskussion über die Möglichkeiten einer freien Opposition vorantreiben.
Oppositionen
Hito Steyerl
Egal ob links oder rechts, wir haben es mit einer Einheitsfront von Rebellen zu tun, mit liberalen Umstürzlern, die seither einen chronischen Aufstand gegen Rechts- und Sozialstaat inszenieren - im Namen von Effizienz und Fortschritt. Was momentan mit dem Begriff der Revolution bezeichnet wird, ist also keine egalitäre Umverteilung des Eigentums, sondern Innovation und Flexibilisierung.
Oppositionen
Oliver Marchart
Interessanterweise war es die FPÖVP-Regierung, die den Konsensweg verließ, den politischen Gegner mit allen gerade noch erlaubten (bzw. noch nicht vom Verfassungsgerichtshof ausjudizierten) Mitteln auszuschalten und die Sozialpartnerschaft weitgehend zu zerstören versuchte. Die parlamentarische Opposition sah dem mit heruntergeklappter Kinnlade zu.
Oppositionen
Stefan Nowotny
Dass weder Philosophentum noch Bildung vor schlechter Abstraktion schützt, hat Rudolf Burger mit seinem vor einigen Monaten in der Europäischen Rundschau und auszugsweise im Standard publizierten Text "Irrtümer der Gedenkpolitik" einmal mehr unter Beweis gestellt. Ganz im Stile des "coolen Wendephilosophen" versucht Burger darin die faulen Eier der schwarz-blauen Regierungskoalition einmal mehr auf dem Feuilletonmarkt zu verhökern.
Oppositionen
Boris Buden
Erinnern wir uns an eine heute schon vergessene politische Gestalt, die einst den Kampf gegen den kommunistischen Totalitarismus so entscheidend geprägt hat: an den ehemaligen Dissidenten. Wofür stand damals ein Dissident politisch? Für die Demokratie, selbstverständlich! Aber was bedeutete das wirklich? Hat er etwa eine radikale Umwälzung der sozialistischen Eigentumsverhältnissen gefordert? Ein Vergeuden des nationalen Reichtums an die transnationalen Korporationen? Oder einen Seitenwechsel in den internationalen Militärbündnissen? Keinesfalls! Die sogenannte Privatisierung, oder etwa die NATO-Mitgliedschaft, waren mit Sicherheit nicht die Parolen auf seinem Banner. Er hatte eine andere Vision.
Oppositionen
Burghart Schmidt
Oh!, diese vielen Zeilen des Aneinanderreihens von Brutalphrasen, mit denen keine Theorie, keine Praxis und keine Theorie-Praxis etwas anfangen können, die des weiteren nichts zu Kunstproblemen enthalten und keine Einsichten bieten, außer dass dem Herrn Slavoj Zizek am demokratischen Alltag alles schnell so fad wird.
Kulturpolitiken
Martin Wassermair
Um Franz Morak ist es stiller geworden. Auftritte werden zunehmend
seltener, immer weniger wissen auf künstlerischem Terrain von
persönlichen Begegnungen zu berichten. Die Kulturpolitik der
rechtskonservativen Wende verliert damit an Dynamik und Substanz. Doch
manche beklagen die Ruhe und die Schweigsamkeit.
Kulturpolitiken
Gabi Gerbasits
Bei einer telefonischen Umfrage im August 2000 unter 150 Institutionen,
die "regelmäßig" Förderungen für ihr Jahresprogramm, ihre
Jahrestätigkeit beantragen, wussten rund ein Drittel nicht über den
aktuellen Bearbeitungsstand bzw. über das Zustandekommen der
Entscheidung (mit oder ohne Beirat, warum wieviel?) Bescheid.
Kulturpolitiken
F.E. Rakuschan
Nur wenige Wochen danach sind sie fast schon wieder vergessen: die Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten Drittnutzern einerseits, wie bspw. Depot und Public Netbase, und der MuseumsQuartier Errichtungs- und BetriebsgesmbH (MQ E+Bges mbH) andererseits.
Kulturpolitiken
Gerald Raunig
Dass die AkteurInnen im Parlament und im Wiener Gemeinderat bisher nur aus den hinteren Bänken zum Kulturkampf gegen unser marginales Blatt aufgerufen haben, enttäuscht uns zwar, wird aber durch den unfreiwillig humoristischen Ansatz der FP-ProtagonistInnen voll und ganz wiedergutgemacht.
Kunstpraxen
Barbara Klein
"Ihr Auftritt bitte!..." hieß es am 10. September im kosmos.frauenraum anlässlich einer Pressekonferenz. Dieser war ein Aufruf der kosmos.frauen vorausgegangen, Kulturinitiativen und Künstlerinnen mit feministischen Zielsetzungen mögen von Streichungen, Kürzungen, Ablehnungen und Kommunikationsschwierigkeiten mit den verantwortlichen PolitikerInnen und BeamtInnen berichten, um ein umfassendes Bild der kulturpolitischen Situation zu liefern und konkrete Maßnahmen zur Veränderung zu fordern.