PUBLICwienSpace trifft city system/s — IG Kultur

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INHALT 03/2007

 

PUBLICwienSpace trifft city system/s

Pamela Bartar und Angela Heide

Pamela Bartar: PUBLICwienSPACE.net ging 2006 mit Blick auf eine Reihe Wien-bezogener Über- und Durchgänge – in unserem ersten Konzept hieß es urban transitions – online. Wichtig erschien uns zu Anfang die Verortung von auch für uns alltäglichen Problemen als KulturproduzentInnen. Heute, mehr als ein Jahr später, nähern wir uns dem Projektfinale. Die Einladung zu city system/s war insofern ein wichtiger Schritt, unsere reflexiven Aktivitäten und Ideen mit einem konkreten Projekt in der Stadt zu verbinden. city system/s steht für den Versuch einer Bestandsaufnahme über die Vielheit von Verhältnissen in der Stadt und die dazu gehörenden Blicke. Entspricht diese Wahrnehmung der Absicht?

Angela Heide:Wir haben die Reihe city system/s als zentrales Projekt unseres Arbeitsjahres 2007 geplant. Für uns von WOLKE 7 (W7) war es ein konsequenter Schritt, nach fünf Jahren gemeinsamer Arbeit die Themen, die wir in den letzten Jahren theoretisch und in unseren Aktionen aufgegriffen haben, auch im Rahmen einer längeren offenen Gesprächsreihe noch einmal aufzugreifen und gemeinsam zu diskutieren; dazu zählen u.a. zeitgenössische Stadtwahrnehmung, Fragen zur „Definition“ von „nachhaltig“ und „temporär“ oder auch zur Funktion und Bedeutung von Video-/Medienkunst bzw. von Kunst im öffentlichen Raum im Kontext aktueller Stadtdiskurse.

PB:Ähnlich entstand PUBLICwienSPACE (PwS), d. h. – wie viele andere Projekte auch – aus einer Art von Eigenbedarf, aus einem Bedürfnis, sich mit der Stadt, ihren Verhältnissen und ihrem Inventar, auch Prozessen, auf eine Weise auseinander zu setzen, die bei anderen Projekten und Diskursen nicht befriedigt wurde. PwS sieht sich aber auch als eine Art Experiment mit dem Projektbegriff an sich: Wie lässt sich der Begriff des „Projekts“ z.B. auf offene, kollektive, reflexive und ästhetische Unternehmungen übertragen? Methodische Durchlässigkeit, niederschwellige Aufbereitung und ein „Nichtdesign“ sind für mich die Qualitäten dieses offenen und kollektiv gedachten Projekts. Die Plattform wurde an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlichem und alltäglichem Diskurs geführt. Die Probleme, die bei solcher Art von Kommunikationsprojekten entstehen, kreisen um die Motivation potenzieller TeilnehmerInnen, sich trotz vorrangiger Eigeninteressen einzubringen. Die Langfristigkeit der Ziele, die das Projekt überdauern, ist ein weiterer Aspekt. Andererseits steckt in diesem unbedarften Vorsatz der ersten Projektphase –„wir machen ein Projekt für alle und mit möglichst vielen“ – gleichermaßen Kreativität und programmiertes Scheitern. In diesem Sinne starteten wir mit vielen Fragen von uns und an uns selbst mit einem offenen Vernetzungstreffen.

AH: Wann war das genau?

PB:Dieses erste offene Treffen war im August 2006. Wir formulierten als ModeratorInnen (Markus Grabenwöger, Michael C. Niki Knopp) Themenschwerpunkte zum öffentlichen Raum Wien, z.B. Urbanismuskritik und alternative Urbanismen, Kunst im öffentlichen Raum und aktuelle kulturpolitische Fragestellungen. Wir definierten PwS als project in progress, ein iterativer Einstieg erschien uns insofern auch am sinnvollsten. Es sollte aber auch nicht beim „laut Denken“ bleiben, und wir entwickelten 2007 konkrete Projekte. Ein Marker meiner persönlichen Forschungsinteressen liegt auf den Entwicklungen im Bereich Kunst im öffentlichen Raum Wien, die teils aus Eigeninitiative und abseits vom Fonds KÖR bzw. der neuen KÖR GmbH passieren. Ziel ist, diese Arbeiten erneut zu vermitteln und ein Präsentationsforum zu schaffen. Auf das Gesamtprojekt bezogen entwickelte sich wie bei W7 ein Methoden- und Aktionsbündel, das von Vernetzungstreffen, Online-Textbeiträge über performative Aktionen bis zum offenen Call mit einer „Langen Nacht“ zur Vermittlung von Kunstprojekten im öffentlichen Raum Wien seit 1998 reicht.

AH: Gerade in diesem prozessorientierten, sehr stark auch von oft unerwarteten Impulsen heraus entstehenden Agieren sehe ich eine große Parallelität unserer Ansätze. Was wir in meinen Augen mit dem Gemeinschaftslabel W7 ja auch durchbrechen wollen, ist diese häufig aufzufindende, ich nenne es einmal plakativ: parallele Kommunikation auf unterschiedlichen Ebenen zu gleichen bzw. ähnlichen Themenfeldern. Wir agieren in unseren jeweiligen „Disziplinen“ ja immer in dem je eigenen größeren oder kleineren Wissensfeld, und diese meist unverbundenen „Paralleldiskurse“ wollte ich u.a. mit der Reihe city system/s bewusst aufbrechen, zusammenbringen, einmal im wahrsten Sinne des Wortes „an einen Tisch“ bzw. in einen Raum einladen. Auf der anderen Seite bzw. gerade aus diesem Bedürfnis heraus fällt mir doch auf, dass hier immer noch eine gewisse Scheu, sich in anderen Diskursen einzubringen, vorhanden scheint. Welche Erfahrung hast du da im Rahmen von PwS?

PB: Das habe ich ähnlich erfahren. Durch das anfängliche Nomadisieren im analogen Raum ergaben sich jedoch neue Perspektiven, neue Öffnungen, neue Diskussionen und nicht zuletzt neue Kooperationen, die auch längerfristig anhalten sollen. Die Plattform PwS hingegen war von Anfang an als temporäres Label gedacht.

AH: Das heißt, ihr werdet das Projekt wieder beenden?

PB: Das Projekt PwS wird 2007 finalisiert. Wir wollen keineswegs zur permanenten „Doppelkonferenz“ mit offiziell beauftragten Institutionen wie der KÖR GmbH mutieren. Unser Plan ist, unsere Recherche-Ergebnisse als offene Empfehlungen zu formulieren. Ansonsten sehe ich eine Gefahr des Verlaufens. Nicht selten verschätzen sich ProjektmacherInnen im künstlerischen und transversalen Feld mit den drohenden Ressourcenzwängen und die Projekte werden ohne wesentliche wissenschaftliche oder künstlerische Ergebnisse weitergeführt.

AH: Eine Frage, die mich gerade in Hinblick auf den Aspekt der unterschiedlichen Begegnungsweisen und natürlich auch bedingt durch die eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt, ist die nach dem (gemeinsamen) Raum.

Anmerkung

Die Podiumsreihe "city system/s" und das Präsentationsforum "PUBLICwienSPACE!" finden im "WOLKE7 Prekarium" noch bis zum 24. Oktober 2007 statt. Weitere Infos und eine Langversion des Gesprächs unter www.wolke7.at oder www.publicwienspace.net

Pamela Bartar ist Kulturschaffende und Publizistin und initiierte das Projekt PUBLICwienSPACE.

Angela Heide ist Dramaturgin, Publizistin und Kulturschaffende und derzeitige Obfrau von Wolke7.

 
 

Erhältlich in folgenden Buchhandlungen:

  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
  • Phil, 1060 Wien
  • Leporello, 1010 Wien
  • Lentos, Linz
  • Pro qm, Berlin
  • b_books, Berlin

 

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