popstadt wien – no photos please! — IG Kultur

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INHALT 02/2010

 

popstadt wien – no photos please!

christina nemec

vor drei monaten bekam ich ein schreiben der sva mit der aufforderung, mich anzumelden beziehungsweise nachzuweisen, dass ich nicht sva-pflichtig bin. aufgrund meines geringen einkommens als musikerin und meiner tätigkeit als freie dienstnehmerin in einer nachrichtenagentur mit meldung bei der wgkk konnte ich die sva noch einmal abwenden. laut steuerberaterin werde ich mich demnächst um die künstlersozialversicherung bemühen.

an geld und tätigkeiten mangelt es mir nicht, so war ich vor circa einem monat zu einer podiumsdiskussion anlässlich des von der spö finanzierten popfest wien, kuratiert von robert rotifer, eingeladen, über wien als popstadt zu diskutieren – als einzige frau am podium. der moderator nutzte seine einleitung und position am panel dazu, seine eigenen produkte – eine wien-cd-compilation – zu bewerben, das booklet vorzulesen, vor lauter begeisterung über die eigene arbeit, und den neuen austropop auszurufen. mir wird schlecht. als musiklabelbetreibende, die darauf achtet, dass die artists aus verschiedensten städten und zusammenhängen kommen, bin ich völlig fehl am platz. auch so etwas wie identitätsstiftung via popmusikstadt wien kann ich nicht nachvollziehen. über strukturen und ressourcen beziehungsweise deren aufteilung wurde gar nicht erst gesprochen. schließlich findet das popfest ja statt. und die stadt hat einiges an geld in dieses investiert. ein festival für elektronische musik – international – ja, das fehlt noch, sagt auch herbie molin, der rhiz-betreiber, der in den 1990er jahren, das tolle phonotaktikfestival mitorganisiert hat – einziger kritikpunkt damals war, dass die veranstalter_innen keine musikerinnen eingeladen hatten. kriterien für erfolg sind meist nur die massen. wenn deine musik in der nische zuhause ist, dann musst du dich schon erklären. unterhaltung sage ich, hat auch mit haltung zu tun. und um ehrlich zu sein, alle „proponenten“ am panel – mit ausnahme des standard-journalisten – müssen ihre musik mit förderungen der stadt oder des bundes oder ske oder musikfonds produzieren oder sehr viel geld gespart haben. es funktioniert, auch wir könnten das label ohne förderungen – vor allem in der anfangsphase, in der wir noch stecken – nicht finanzieren und betreiben, zumindest nicht die produktionen. es steckt ohnehin genug gratisarbeit von künstlerinnen, befreundeten grafikerinnen und uns selbst drin. als musikerin, die auf mehreren seiten der kette hängt, beschäftige ich mich vorwiegend auch mit der so genannten vermarktung oder verbreitung. spielen, spielen, spielen und die kolleg_innen zusammenhalten.

demnächst werden wir erweitert durch eine band aus mexico/argentinien. mir ist der austropop also total egal, um es mit ideal zu formulieren. ich komme mir vor wie im falschen film, vor allem als es um die frage geht, wer denn beim nächsten popfest – wegen großen zuspruchs verlängert – spielt. ich werde mich doch nicht auf ein panel setzen, damit ich mich als musikerin oder label in aller öffentlichkeit in ein festival reinreklamiere. wie peinlich ist das denn? austrofred war dann so nett zu sagen: er wünscht sich cherry sunkist.

 
 

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