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INHALT 02/2006

 

Politik als Übersetzung.

Elisabeth Mayerhofer, Monika Mokre

Demokratie ist etwas Gutes. Das Einzige, was ein bisschen stört, sind die BürgerInnen. Die kennen sich nicht aus, treffen falsche Entscheidungen aufgrund falscher Motive und fallen auf Populismus herein.

Sind auch komische Wesen, diese BürgerInnen, ich z. B. kenne keineN einzigeN von ihnen. Frauen und Männer von der Straße, die dann schweigende oder unwissende oder unartikulierte Mehrheiten bilden - von meinen FreundInnen gehört da keineR dazu, wir sind alle Teile unterschiedlich qualifizierter Minderheiten.

Allerdings kennen wir uns auch nicht immer so gut bei den schwierigen Dingen aus, die die Politik so zu entscheiden hat. Genmanipulierte Pflanzen und Steuerrecht und Pensionsregelungen. Ganz gut eigentlich, dass bei diesen Entscheidungen die Demokratie eine recht untergeordnete Rolle spielt, das sind ja Fragen für ExpertInnen, nicht für dich oder mich und schon gar nicht für die Masse der ungebildeten BürgerInnen.

Oder sind das doch alles politische Fragen, die demokratisch diskutiert und gelöst werden sollten? Vereinzelt finden sich jedenfalls Leute, die solche Fragen angehen. Ohne ExpertInnen zu sein. Mit vollkommen anderen Hintergründen und Ausgangspunkten, ja manchmal sogar aus der Kunst kommend. Weil sie meinen, dass sich die politische Relevanz z. B. von Migrationsfragen auch ohne demographisches Grundlagenwissen erkennen lässt.

Ist nicht immer befriedigend, dieser Zugang, da gibt es viel Polemik und Halbwissen und dann entstehen Meinungen, die so wenig fundiert sind, dass der Widerspruch auf der Hand liegt. Auf die Art kommt es also nicht zu jenen Lösungen, die für alle die bes- ten sind, weil sie von ExpertInnen ausgedacht wurden. Allerdings kommt es auf diese Art zu Diskussionen über die Frage, inwiefern es doch politisch relevant ist, was sich die ExpertInnen so untereinander ausmachen. Und ob dabei wirklich die besten Lösungen für alle herauskommen. Ob es etwa wirklich nur die Privatsache derer ist, die verzweifelt in die EU kommen, wenn sie auch dabei riskieren in LKWs zu ersticken oder sich für eine Form der Prostitution durch Heirat mit einem EU-Bürger entscheiden. Künstlerische Projekte können diese Dinge aufgreifen und in Kunstkontexte einbringen. Und wenn ein derartiges Projekt einigermaßen gelungen ist, werden vielleicht auch die Zusammenhänge klarer und die politischen Auswirkungen von ExpertInnenentscheidungen. Der/die NormalbürgerIn versteht natürlich trotzdem nichts. Sondern schreit Pornographie, wenn er/sie ein Plakat von einer fast nackten Frau mit Slip in den EU-Farben sieht. Statt die Anspielung auf Courbet und die politische Aussage zu verstehen. Ganz so leicht geht es also auch nicht mit der Übersetzung durch Kunst, denn diese bedarf selbst zumeist der Übersetzung bzw. einer spezifischen Expertise um sie zu verstehen. Massenaufklärung via Kunst ist aber auch nicht anzustreben, jedoch kann durch das Aufgreifen politischer Fragen zumindest eine spezifische Gruppe erreicht werden. Wenn schon nicht Emma Normalverbraucherin.

 
 

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  • a.punkt, 1010 Wien
  • Walther König, 1070 MQ
  • Anna Jeller, 1040 Wien
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  • Leporello, 1010 Wien
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  • b_books, Berlin

 

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