Progressive Kunstinstitutionen
Kulturrisse 01/2004
Im sich zunehmend auflösenden europäischen Wohlfahrtsstaat sind progressive Kunstinstitutionen in einer widersprüchlichen Lage:
Eingeklemmt zwischen der Politik der Öffentlichkeit und der Politik der Verwaltung stellt sich die Frage nach den kulturpolitischen Programmen.
Oppositionen
Chantal Mouffe
Was in der Diskussion über die Zukunft der Antiglobalisierungsbewegung auf dem Spiel steht, ist die Beschaffenheit radikaler Politik. Deswegen ist es wichtig, möglichst viele Formen regionaler und lokaler Foren anzuregen, in denen Widerstände miteinander verbunden und gemeinsame Kämpfe artikuliert werden können.
Oppositionen
Helmut Draxler
Avantgardistische künstlerische Praktiken zeichneten sich für gewöhnlich dadurch aus, das konkrete Umfeld ihres Erscheinens zumindest herausfordern, wenn nicht gar provozieren oder schockieren zu wollen. Und doch oder gerade deshalb sind selbst ihre radikalsten Erscheinungsformen inzwischen museal ablegbar.
Oppositionen
Simon Sheikh
In Zeiten eines expansiven globalen Kapitalismus, der Korporatisierung von Kultur, der Zerstörung des Wohlfahrtsstaats und der Marginalisierung der kritischen Linken ist es entscheidend, Formen der Kritik, Partizipation und des Widerstands in den sich überschneidenden Feldern von Kultur und Politik zu diskutieren und zu bewerten.
Oppositionen
Jorge Ribalta
Das Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MAC BA) versucht, ein kritisches Gedächtnis der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herzustellen. Das Ziel der Arbeit ist es, hegemonialen Diskursen und Kräften entgegenzusteuern.
Oppositionen
Katya Sander
In den 1990ern hatte Institutionskritik gerade die Ufer des dänischen akademischen und des Kunstdiskurses erreicht. Manche meinen wahrscheinlich, dass sie dort an den Rändern auch geblieben ist.
Katjuschas Statement
Boris Buden
katjuschas statement: eine kanakin + ein tschusch ... = diskursive stalinorgel
Katjuschas Statement
Hito Steyerl
katjuschas statement: eine kanakin + ein tschusch ... = diskursive stalinorgel
Kulturpolitiken
Sylvia Riedmann
An das Projekt ARTWORKS muss die Frage gerichtet werden: Warum werden ausgerechnet Frauen an eines der am schlechtesten bezahlten Segmente des Arbeitsmarktes herangeführt? Stehen damit traditionalistische Vorstellungen von spezifisch weiblichen Tätigkeitsfeldern in Verbindung?
Kulturpolitiken
Thomas Neuhold
Wenn eine große autonome Kulturinitiative ein Magazin für Kultur und Politik herausgibt, bleiben Konflikte um die Zeitschrift naturgemäß nicht aus. Und natürlich wird auch bei einem etablierten Medium der Gegenöffentlichkeit interveniert, dass die Schwarte kracht.
Kulturpolitiken
Martin Wassermair
Rund um den vierten Jahrestag der schwarz-blauen Bundesregierung ist die politische Kultur Österreichs an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Gegenstrategien brauchen neben einer Portion Raffinesse noch immer ausreichend langen Atem.
Kulturpolitiken
Frau Müller (von der der Grundorganisation Soziales Theater) über eine unmögliche brechtsche Parabel
Politisches Theater wird zur möglichen Hoffnung, Antagonismus in Praxis zu erarbeiten, der Konflikt wird in das Theater verlagert, um zu Lösungen für beide Konfliktparteien zu kommen. Das Haus ist die realistische Ebene, Abbild für das gemeinsame politische Potenzial, eine Wunschmaschine.
Fokus
Elisabeth Mayerhofer, Monika Mokre
Wofür stehen politische Kulturarbeit und Gegenöffentlichkeit heute noch? Die Grenzen zwischen Establishment und Gegenbewegung, zwischen kommerzieller und politischer Kultur, zwischen Systemerhaltung und Systembekämpfung verschwimmen zunehmend.
Kunstpraxen
Ljubomir Bratic
Schaffen KünstlerInnen mit ihrem Tun nicht Räume, in denen die Ausgeschlossenen gehört werden, schaffen sie es nicht, bisher unbeachtet gebliebene Perspektiven freizulegen, dann fehlt ihnen die Differenz zum erfolgreichen Mainstream.